{"id":1380,"date":"2012-06-27T15:07:21","date_gmt":"2012-06-27T14:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/?page_id=1380"},"modified":"2012-06-29T14:30:18","modified_gmt":"2012-06-29T13:30:18","slug":"ein-mann-der-fahrt-zur-see-oder-der-ganz-normale-rassismus-in-den-1950er-jahren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/?page_id=1380","title":{"rendered":"Ein Mann, der f\u00e4hrt zur See"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">oder der ganz normale Rassismus in den 1950er Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00dcber ein Fotoalbum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/wp-content\/uploads\/1952_54_MS_Valecnia_136.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1385 aligncenter\" title=\"1952_54_MS_Valencia_136\" src=\"http:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/wp-content\/uploads\/1952_54_MS_Valecnia_136.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"867\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem zu Beginn diese Jahres meine Mutter verstorben ist, habe ich nun zahlreiche Fotos und Alben erhalten. Auch jene, die mich durch meine Kindheit begleiteten, die man immer wieder wie ein h\u00fcbsches Bilderbuch mit spannenden Geschichten durchbl\u00e4tterte. Die T\u00fcmmler im Atlantik, das gro\u00dfe Feuer auf dem Schiff, mein Vater mit dem widerspenstigen Affen im Arm, der sich erst dann beruhigte als er im Kabelgatt ein Stromkabel versuchte anzuknabbern. Und nicht zu vergessen, die \u00c4quatortaufe, als Neptun pers\u00f6nlich dem Meer entstiegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja ja, lustige Geschichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Kind, des Lesens unkundig, interessierte ich mich nicht f\u00fcr die in manirierter Schrift unter die Aufnahmen gesetzten Erl\u00e4uterungen. Wenn die Eltern etwas davon vorlasen, war nur die Rede von Rasmus und Schiffen, von der tapferen Mannschaft, ihrem Zusammenhalt und der Kameradschaft. Die anderen Dinge, die dort zu lesen sind, bakam ich nicht erz\u00e4hlt. Wenn man heute &#8222;Neger&#8220; liest, k\u00f6nnte man denken, dass es sich um den Jargon der damaligen Zeit handelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liest man jedoch etwas wie das, was auf der abgebildeten Seite steht, n\u00e4mlich::<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;&#8230; so wichtig wie die Braut zur Trauung, ist &#8222;Imperial&#8220; f\u00fcr die Verdauung &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; die Negerkrew ist nun in Freetown an Bord gekommen und stellt sich im Sonntagsstaat dem Fotografen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; ihr Blick geht nochmal zur\u00fcck zu ihrem Kral, wo ihre Black-Mammin sitzt und in ein Bananenblatt heult.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230;der Vormann f\u00fchlt sich ganz als Offizier und stellt sich mit seinen getreuen Paladinen in Herrscherpose der Kamera &#8230;&#8220;,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wird klar, worum es geht: Chauvinismus, Rassismus und Sexismus. Auf der anderen Seite auch um viel Alkohol, dem anscheinend zu jener Zeit von zahlreichen Seeleuten bei allen passenden und unpassenden Gelegenheite gro\u00dfz\u00fcgig zugesprochen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da mir die Fotografien und Alben nur leihweise zur Verf\u00fcgung stehen, hatte ich urspr\u00fcnglich die Absicht, nur diejenigen Bilder zu scannen und zu archivieren, mit denen ich eigene Erinnerungen verbinde. Dieses Album mit seinen durchweg unscharfen Aufnahmen, ist es von der fotografischen Qualit\u00e4t her im Grunde genommen nicht wert, dokumentiert zu werden. Nur die Tatsache, dass ich es seit fr\u00fchester Kindheit kenne, machte es f\u00fcr mich interessant. Die im Plauderton daherkommenden Ungeheuerlichkeiten, die Ver\u00e4chtlichkeiten sind es, die mich das gesamte Album mit allen Aufnahmen in der urspr\u00fcnglichen Reihenfolge haben scannen lassen. Die den Bildunterschriften zugrunde liegenden Ansichten und Haltungen hat mein Vater zeitlebens nicht abgelegt, er wurde nur vorsichtiger damit, sie zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich betone an dieser Stelle ausdr\u00fccklich, dass es mir nicht darum geht, meinen Vater als \u00fcblen Rassisten zu diskreditieren. Ich glaube, er dachte dasselbe wie viele seiner Zeitgenossen es auch taten. Er sprach es aus und sie taten es auch. Es war im kleinb\u00fcrgerlichen Milieu \u00fcblich, sich \u00fcber Angeh\u00f6rige anderer Nationen zu mokieren, ausser denen der Siegernationen des zweiten Weltkrieges sowie der L\u00e4nder, die gesuchten Naziverbrechern Schutz boten. Ebenso wurden genau die Minderheiten verachtet, die schon w\u00e4hrend des dritten Reichs verfolgt und ermordet worden waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die meisten M\u00e4nner verbrachte er die kurze Zeit, in der die Deutschen unmittelbar nach dem Krieg zur Besinnung \u00fcber das kamen, was im Namen Deutschlands in der Welt angerichtet worden war, in Kriegsgefangenschaft. Als er 1948 entlassen wurde, waren die neuen Fronten bereits abgesteckt, der kalte Krieg hatte eingesetzt und es gab wieder Gutes zu verteidigen und das B\u00f6se, das vielen Deutschen die Heimat geraubt hatte, das es zu bek\u00e4mpfen galt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer dann wie er von der Welt zun\u00e4chst im wesentlichen die H\u00e4fen und die Am\u00fcsierviertel der Hafenst\u00e4dte zu sehen bekam, konnte seine Vorurteile immer nur best\u00e4tigt sehen. Die weisse Kolonialherrschaft, die arbeitete und Werte schuf und die Schwarzen, von denen er behauptete, aus eigener Anschauung urteilen zu k\u00f6nnen, dass &#8222;ein Drittel schl\u00e4ft, ein Dritteel klaut und ein Drittel arbeitet&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur, wie gesagt war diese Haltung weit verbreitet in der damaligen Bundesrepublik unter Adenauer. Und solche Ansichten der Verachtung anderer Nationen wird noch heute in der Finanzkrise mit Parolen von den &#8222;faulen Portugisen, Italienern, Griechen und Spaniern, kurzgefasst den PIGS&#8220; befeuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erl\u00e4uterungen zu den Fotos k\u00f6nnten heute ohne weiteres auch in der Bildzeitung zu finden sein. dem Blick in den Abgrund!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe dieses Album als zeitgeschichtliches Dokument, das nur in seiner Gesamtheit einen Eindruck von den Ansichten Mancher in unserer Elterngeneration wiedergibt. Deshalb habe ich die Aufnahmen auf eine Gr\u00f6\u00dfe skaliert, wie sie auch in etwa im Original haben, sofern man sie in einer heute \u00fcblichen Bildschirmaufl\u00f6sung betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich distanziere mich ausdr\u00fccklich von den herabw\u00fcrdigenden \u00c4u\u00dferungen in der folgenden Bildergalerie. Sollte die Ver\u00f6ffentlichung der Fotos jemandes Urheberrecht verletzen, bitte ich um Information. Ich werde dann die Aufnahmen umgehend von der Seite entfernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Ein Mann, der f\u00e4hrt zur See \u2013 die Bilder -\" href=\"http:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/?page_id=1397\">weiter zu den Bildern<\/a><\/p>\n<p><a title=\"Politik\" href=\"http:\/\/christianstrasse.de\/8nhd0g15eq\/?page_id=287\">zur\u00fcck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder der ganz normale Rassismus in den 1950er Jahren. \u00dcber ein Fotoalbum Nachdem zu Beginn diese Jahres meine Mutter verstorben ist, habe ich nun zahlreiche Fotos und Alben erhalten. Auch jene, die mich durch meine Kindheit begleiteten, die man immer wieder wie ein h\u00fcbsches Bilderbuch mit spannenden Geschichten durchbl\u00e4tterte. 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